Begrüßung

Hans Bergel an seinem Arbeitstisch in Gröbenzell (2004). Foto: Konrad Klein
Hans Bergel an seinem Arbeitstisch in Gröbenzell (2004). Foto: Konrad Klein

Liebe Freunde, Bekannte und Unbekannte!

Mit dieser Homepage wende ich mich an alle, die einige konkrete Daten über mich erfahren wollen. Über mein Leben, meine Buchveröffentlichungen, etliches über deren fachliche Beurteilung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bin ich Verfasser von 46 Büchern, Mitverfasser von über 70, dazu nicht gezählte Texte in Medien des In- und Auslands. Zwischen der frühesten und der bisher letzten Veröffentlichung liegen 60 Jahre, 1957-2017, in denen ich mehrfach gewaltsam aus der Arbeit gerissen wurde. Grund: Mangelnde Anpassung an herrschende politische Umstände.

Ich schreibe über Themen der Gegenwart, der Geschichte, über Fragen der Kunst, zudem Biografien, literarische Reportagen, Lyrik, wissenschaftliche Arbeiten. Die Historikerin Renate Windisch-Middendorf notierte, ich erzähle „Geschichte in Geschichten“, der Literaturwissenschaftler Peter Motzan, ich bediene mich einer „Vielzahl von Textsorten“. – Bevorzugte Formen: Erzählung, Essay. Von früh an war Kleists epische Prosa ein Wegweiser: Konsequenz in der auf Spannung bedachten Sprach- und Stoffbehandlung. Beim Erzählen geht es mir gleichermaßen um Erfassung der regionalen Spezifika wie um das „allgemein menschliche“ Erleben. Beispiele: In einer Novelle erfährt der im kanadischen Urwald verschollene junge Geologe Joe seine besondere persönliche Konfliktsituation, die jedoch m. E. die Konfliktsituation eines jeden von uns sein kann; in einem Roman veranschauliche ich an einer regional unverkennbar definierten Familie gesamteuropäisches menschliches Geschehen der Jahre 1939-1945. Im Essay, wie in dem oft nachgedruckten „Frau Musica“, reizt mich die Sucherfreude der Fantasie, das Ungewohnte, ja Unbekannte des Gegenstands aufzuspüren.

Autobiografisches spielt in meinen Schriften eine Rolle. Erklärung: Das relativ breite Spektrum meiner Wissbegierde, die mich auch zu Reisen veranlasste; körperliche Bewegungsfreude, die mich in jungen Jahren zum Leistungssport trieb; mein Lebensverlauf auf mehreren Ebenen – vom Bleiminen-Häftling bis zum Berufsmusiker, vom Bauarbeiter bis zu dem von einem östlichen Geheimdienst als „außerordentlich gefährlich für die Sicherheit des Staates“ eingestuften Journalisten. Autobiografie als Themendepot.

Die Mittelmeerlandschaften, vor allem jene der griechischen Antike, doch ebenso westwärts über Florenz bis Kastilien empfinde ich als kulturelle Heimat. Bach ist der Komponist, der mir die letzte Zufluchtsstätte bietet. Ein Gemälde wie Rembrandts „Verlorener Sohn“ erschüttert mich; überdies Bilder der Spanier Velázquez, Goya. Formkraft, die aus der „Marquise von O ….“, aus Mozarts Jupiter-Sinfonie oder aus der Skulptur der altägyptischen Falkengestalt „Horus“ spricht, stimmt mich euphorisch. Künstlerische Kleinjuwele wie das alte deutsche Volkslied, einschließlich Text, bewundere ich.

Trotz meines Alters beschäftigen mich Buchvorhaben. Peter Motzan: „Er lebt, um zu schreiben, er schreibt, um zu leben.“ Ich machte mir Leonardos Anmerkung zu eigen: „Die Kunst – die Freude ihrer Kenntnis ist mein größtes Vergnügen.“

Hans Bergel

Februar 2017